Selfie-Journalismus
Sel|fie-Jour|na|lis|mus der, (engl.+fr.): Radikale Ich-Perspektive von Journalisten.
Ein auf die im Internet knappe Aufmerksamkeitsspanne der User*innen ausgerichtete Form der Berichterstattung. Sie kommt insbesondere im mobilen Journalismus und beim Real Time Reporting zum Tragen. In Analogie zu der auf eine Momentaufnahme verknappten Selbstdarstellung im Selfie wird eine Geschichte aus radikaler Ich-Perspektive erzählt. Das geschieht (fast) in Echtzeit und vermittelt scheinbar Authentizität und kritische Haltung. Selfie-Journalismus stellt sich gerne als unverbrauchte Gegenposition zu herkömmlichen Nachrichtensendungen dar, indem er vorgibt, reale Geschichten von realen Menschen zu erzählen. Kritikerinnen sprechen hingegen von der Gefahr von Nabelschau, Ich-Zentriertheit und fehlender Objektivität.
Denn eines haben sämtliche Haltungen gemeinsam, die der Selfie-Journalismus entwickelt, ganz egal ob links, rechts, feministisch, chauvinistisch oder netzaffin: „Kritisch muss man sein“. Kritik ist die Ersatzlegitimation für einen Journalismus, der sich von seinem Ursprungsauftrag, nämlich der Berichterstattung, meilenwit entfernt hat.
(Juli Zeh, zitiert nach Eva Menasse, Digitalmoderne, S. 69 f., 2023)
Referenzen:
Journalismus im digitalen Wandel - Selfie-Journalismus
Inv.Nr. 003