polykrise

Polykrise

Poly|kri|se die, (lat.): Mehrere Krisen, die sich gegenseitig verstärken.

Immer wieder ist von der Polykrise die Rede, die unser Leben bestimmt. Selten hat ein Begriff den Politikjargon so schnell beherrscht. Sie umfasst unterschiedliche „Einzelkrisen“ (etwa: Klimakrise, Corona-Krise, Migrationskrise, Krieg in der Ukraine, Demokratiekrise). Allerdings kann die eine Krise nicht getrennt von der anderen gedacht werden. Nach Adam Tooze 1) sei die Polykrise nicht durch das Nebeneinander von Krisen bestimmt, sondern diese seien von einander äbhängig und verstärkten sich gegenseitig. Dadurch wären die Polykrise besonders heimtückisch, möglich seien Rückkoppelungen, Dominoeffekte und gegenseitige Beschleunigungen. Aufgrund ihrer Komplexität könne sie nicht durch Einzelmassnahmen bekämpft werden. Das Ganze sei gefährlicher als seine Teile. Die Politik bedürfe eines abgestimmten, wissenschaftlich abgesicherten Massnahmenbündels, um gegen sie vorgehen zu können. Koordinierungsprobleme zwischen den beteiligten Akteuren erschwerten aber die Bekämpfung der Polykrise.

Der Begriff „Polykrise“ ist m.E. Neusprech. Der Begriff suggeriert einerseits, früher™ sei alles besser gewesen - die Krisen hätten sich ordentlich abgesprochen, wann sie dran sind, oder so. Immer nur eine jedenfalls. Polykrise ist nie da gewesen, beängstigend und kompliziert. Polykrise ist schwammig, benennt nichts Konkretes und verschleiert sowohl Verantwortung, als auch Lösungen.
(Aki, Mastodon, 14/12/2025)

Referenzen:
NZZ: Interview mit Adam Tooze, abgerufen am 13/12/2025
Adam Tooze: Zeitenwende oder Polykrise, abgerufen am 13/12/2025


Inv.Nr. 027


1)
Tooze, Adam: Welt im Lockdown. Die globale Krise und ihre Folgen. Beck, 2021
  • polykrise.txt
  • Zuletzt geändert: 14.12.2025 15:34
  • von tinderness