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Performative Reading

Performative Reading das, (lat.): Vorgetäuschte Lektüre.

P.R. soll angeblich der aktuelle Trend sein, dem auf Instagram unter dem Hashtag #HotDudesReading gefolgt werden kann. Männer sitzen prätentiös mit einem gewichtigen Buch vor sich hin und geben vor, belesen zu sein. Nun, den derart posierenden Männern mit wird unterstellt, die Bücher nicht um des Lesens willen in den manikürten Fingern zu halten, sondern um Eindruck zu schinden. Das Phänomen ist nicht neu: Schon Bruno Kreisky, der intellektuelle Kanzler Österreichs soll Robert Musils Mann ohne Eigenschaften auf seinem Nachtkästchen beherbergt haben. Wir alle lasen das Buch damals auch, haben aber verschwiegen, nicht über die ersten 30 - 50 Seiten Lektüre hinausgekommen zu sein. Tatsächlich ist das Phänomen nicht neu, nur: Böse Zungen sprechen davon, dass es sich dabei ohnehin nur um eine auf die sozialen Medien konzentrierten Trend handle, der in Wirklichkeit kaum existiere. Ein wenig angeben geht immer.

Ich war gerade zum ersten Mal 'performative male reading' in einem netten kleinen Café. Ich hab knapp 100 Seiten geschafft, zwei Handynummern zugesteckt bekommen und ein Date für nächste Woche abgemacht. Wo liegt nun das Problem?
(Weltzeitgeist, Mastodon, 16/12/2025)

Referenzen:
Kultur & Kontroverse: Heisse Kerle, die Bücher lesn, abgerufen am 16/12/2025
Der Standard: Die Mode des Performative Reading, abgerufen am 16/12/2025


Inv.Nr. 037

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  • Zuletzt geändert: 16.12.2025 16:45
  • von tinderness